Mompreneur vs. Unternehmerin: Wie die Wortwahl deine Außenwirkung beeinflusst

Mompreneur vs. Unternehmerin

Jede Medaille hat zwei Seiten. Auch Begriffe, mit denen wir uns nach außen darstellen oder uns gar identifizieren, lösen unterschiedliche Interpretationen aus. „Mompreneur“ ist so ein Begriff. Warum es gut ist, dich als Unternehmerin nicht mit diesem Begriff nach außen darzustellen, sondern dich davon im wahrsten Sinne des Wortes zu emanzipieren.

„Ich bin Mompreneur“ – und die Problematik hinter diesem Satz

Als Selbstständige oder Unternehmerin mit Kindern beeinflussen sich Arbeit und Familie häufig gegenseitig und können deshalb nicht so einfach voneinander getrennt werden. Der Begriff „Mompreneur“ drückt genau das aus – die Verschmelzung von Mutterschaft und Unternehmertum. Aus dieser Perspektive finde ich persönlich den Begriff auch passend – darüber habe ich hier ausführlicher geschrieben.

Trotzdem würde ich den Satz „Ich bin Mompreneur.“ gegenüber potenziellen Kund*innen oder im Bekanntenkreis niemals über die Lippen bringen. Und das aus zwei Gründen:

  1. Es hört/fühlt sich für mich nicht stimmig an.
  2. Bei dem Begriff „Mompreneur“ steht das „Mom“ – die Eigenschaft als Mutter – zu stark im Vordergrund. Bei meinen Kund*innen will ich in erster Linie als Unternehmerin auftreten, nicht als Mutter. (Obwohl ich meine Mutterschaft nicht verstecken muss, muss ich sie auch nicht gleich aufdrängen.)

Während der Begriff gut ist, um Müttern Mut zu machen, sie zur Selbstständigkeit zu motivieren und sicherlich auch das Gefühl fördert, einer ganz speziellen Gruppe anzugehören, hat er in meiner – und auch in deiner – Außendarstellung nichts zu suchen. Warum? Das kommt jetzt:

Die Verniedlichung des weiblichen Unternehmertums

Während Männer sich ganz selbstverständlich als Entrepreneur, Gründer oder Geschäftsmann bezeichnen, fällt uns Frauen dieses selbstverständliche und selbstbewusste Auftreten noch immer schwer.

Das mag zum einen damit zu tun haben, dass die Geschäftswelt für Frauen – geschichtlich gesehen – noch immer Neuland ist. Oder auch damit, dass wir oft bescheidener sind.

Vielleicht auch damit, dass beispielsweise „Unternehmerin“ ein recht großes Wort ist, mit dem wir uns (noch) nicht identifizieren können.

Wenn dann eine Wortneuschöpfung wie „Mompreneur“ die Geschäftswelt und unsere Sprache erobert, nimmt man diese gerne auf. Dennoch: Indem du Worte wie Mompreneur, She-EO, Shepreneur oder sonstige neue und vermeintlich feministische Begriffe verwendest, tust du vor allem eins:

Du machst dich selbst klein.

All diese Kunstwörter sind im Grunde nichts weiter als Verniedlichungen dessen, was sie eigentlich aussagen sollen: Dass du eine seriöse, wettbewerbsfähige und ernst zu nehmende Geschäftsfrau bist.

Diesen Aspekt der Verniedlichung unserer Geschäftstätigkeit greift auch Sarah Cooper in ihrem Buch „Wie du erfolgreich wirst, ohne die Gefühle von Männern zu verletzen“ auf. Sie formuliert es ironisch so:

„Um potenzielle Investoren nicht zu verschrecken, empfiehlt sich der Trick, deiner Position einen niedlichen und extrem harmlosen Namen zu geben.“

Sarah Cooper, Autorin

Für Männer allgemein und männliche Unternehmer speziell ist scheinbar weniger angsteinflößend, wenn wir auf moderne Begriffe zurückgreifen, die unser weibliches Geschlecht oder unsere Mutterschaft betonen.

Das klingt weniger gefährlich, weniger nach Konkurrenz. Genauso aber auch weniger kompetent, weniger nach echtem Unternehmer*innentum.

Niedliche Mompreneur oder ernsthafte Geschäftsfrau – was willst du sein?

Sprache erschafft bekanntlich Realität. So, wie du dich selbst siehst, wirkst du auch nach außen auf deine Kund*innen und Geschäftspartner*innen. Worte können verändern, Realität erschaffen, Grenzen aufzeigen oder niederreißen.

Weil Sprache so viel Macht hat, begann auch die Debatte um political correctness und ums Gendern:  50 % der Bevölkerung, nämlich wir Frauen, kamen davor kaum in der alltäglichen Sprache vor.

So mag es wie ein Rückschritt scheinen, wenn du plötzlich wieder von diesen modernen „feministischen“ Begriffen abkommst. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es gibt eine ganze Reihe an Begriffen, die du stattdessen für dich verwenden kannst, z.B.:

  • Selbstständige
  • Freiberuflerin
  • Gründerin
  • Unternehmerin
  • Geschäftsfrau

Diese Begriffe wirken im Vergleich ganz anders – nämlich genauso wie ihr männliches Pendant. Sie strahlen Selbstbewusstsein, Kompetenz und echtes Unternehmer*innentum aus.

Die Frage ist: Welche Bezeichnung wählst du für dich?

Wenn du dich selbst nicht als Geschäftsfrau siehst

Zum Schluss möchte ich dich einladen, ein kleines Gedankenexperiment zu machen.

Wenn du dich bisher als Mom- oder Shepreneur bezeichnet oder mit diesem Wort identifiziert hast, probiere gedanklich folgendes: Wähle aus den Begriffen „Gründerin“, „Unternehmerin“ oder „Geschäftsfrau“ einen aus und beende den Satz „Ich bin …“, damit.

Welche Gefühle und Gedanken kommen dabei auf? Spürst du Widerstand? Dann fühle noch tiefer hinein und versuche herauszufinden, warum. Macht dir Dimension dieses Begriffes Angst? Hast du das Gefühl, noch nicht so weit zu sein? Hast du das Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein?

Mach die Übung öfter – mache dich gedanklich mit dem Begriff vertraut. Und lass dich überraschen, welche Veränderung dieses neue Selbstverständnis in deinem Mindset verursacht.

Es ist längst an der Zeit, dass wir Frauen Mütter uns nicht mehr kleinhalten lassen und uns auch selbst nicht kleinhalten. Triff bewusst die Wahl, dich von verniedlichenden Begriffen zu lösen und eine emanzipierte, selbstbewusste Unternehmerin zu sein.

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