Miteinander statt gegeneinander: Was Eltern heute leisten (müssen)

Miteinander statt gegeneinander: Die gesellschaftliche Verantwortung der Eltern

Neulich telefonierte ich mit einer Freundin darüber, wie absurd es ist, dass wir uns in unserer heutigen Zeit um Klopapier prügeln. Wir fanden uns entsetzt darüber, was die aktuelle Krise für ein Bild der Gesellschaft zeichnet:

Eine Mutter mit Säugling, die während eines Krankenhausbesuchs Atemschutzmasken in Massen stiehlt?

Menschen, die aus der Not und Angst noch Profit ziehen, indem sie alles leerkaufen und dann Atemmasken etc. zu horrenden Preisen im Internet anbieten?

Ist das die Gesellschaft, in der wir leben wollen?

Für mich heißt die Antwort ganz klar nein! Und für viele andere auch. Neben all dem Egoismus gibt es viele tolle Initiativen und Aktionen, um sich gegenseitig beizustehen und zu unterstützen – im privaten wie auch im beruflichen Bereich. Das ist klasse!

Zwischen den Stühlen: Kooperation vs. Konkurrenz

Die Krise zeigt zwei Entwicklungen ganz deutlich:

Zum einen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der jeder Größtenteils nur an sich selbst denkt.

Zum anderen, dass es immer mehr Tendenzen zu einem Miteinander, zur Kooperation statt Konkurrenz gibt.

Am Ende der Entwicklung steht im Idealfall eine Gesellschaft, in der es mehr ums Miteinander geht, mehr um Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung. Und weniger um das Ego jedes Einzelnen, weniger um Wettkampf und dieses etablierte Recht des Stärkeren.

Wir leben gerade in genau der Zeit, in der wir beeinflussen können, ob sich die Tendenzen in die eine oder in die andere Richtung verstärken.

Und da kommt die Erziehung ins Spiel.

Klassisch und autoritär oder bindungsorientiert-alternativ?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Erwachsenen von heute, die sich um Klopapier prügeln und nur an das eigene Wohl denken, Opfer einer Erziehung geworden sind, in der es darum ging, zu gehorchen, sich „gut“ zu benehmen und vor anderen Leuten ein gutes Bild abzugeben. Als Folge davon haben die Kinder (die heute Erwachsen sind) gelernt, dass man immer Kämpfen muss, um seine eigenen Bedürfnisse auch mal in den Mittelpunkt zu stellen.

Das führt zu Egoismus und zu einer Gesellschaft, in der jeder nur für sich selbst steht.

Und ich bin der festen Überzeugung, dass die heute immer mehr verbreitete Form der bindungsorientierten Erziehung – die von einigen wohl auch als alternativ bezeichnet wird – wesentlich dazu beitragen wird, dass die Erwachsenen von morgen empathischer und kooperativer sind – und der Gemeinschaft einen höheren Wert beimessen.

Warum?

Weil Kinder, deren Bedürfnisse erfüllt werden, die sich gesehen und ernst genommen fühlen, die ihre Gefühle ausdrücken dürfen und dabei begleitet werden, ein starkes Selbstwertgefühl mit auf den Weg bekommen.

Weil sie sich nicht zurück gesetzt fühlen und deshalb auch andere nicht zurück setzen müssen.

Gegenseitige Unterstützung von Geschwistern für eine kooperative Gesellschaft

Und weil wir Mütter und Väter heute darauf achten, kooperatives Verhalten anstatt konkurrierendem Verhalten zu fördern.

Die Verantwortung der Eltern: Kinder für Gemeinschaft anstatt für Wettbewerb schulen

Kurz bevor die Krise richtig ausbrach las ich noch das Buch „Geschwister als Team“ von Nicola Schmidt. Darin wird unter anderem beschrieben, dass Geschwister nicht einfach von alleine eine enge Beziehung entwickeln. Wir Eltern müssen sie dabei unterstützen

  • Indem wir die unterschiedlichen Charaktere und Interessen wahrnehmen
  • indem wir Empathie, aber auch Abgrenzung vorleben
  • indem wir kooperatives Verhalten vor allem spielerisch fördern. (Hier gibt es z. B. eine schöne Sammlung kooperativer Spiele für Kleinkinder)

Wir haben die Aufgabe, unseren Kindern zu zeigen, dass man gemeinsam stärker ist und mehr erreicht als alleine. Wir haben die Aufgabe, dieses elende Konkurrenz-Denken, das schon im Kindergarten beginnt, so weit einzuschränken, dass unsere Kinder zu wirklich sozialen, empathischen und gesellschaftsfähigen Menschen werden.

Damit unsere Gesellschaft bei der nächsten Krise keine menschlichen Tragödien um so banale Dinge wie Klopapier mehr miterleben muss.

Und damit die Menschen in Zukunft noch besser zusammenhalten, wenn es schwierig wird.

Anmerkung: Eine Gesellschaft, die gleichzeitig eine große Gemeinschaft bildet, hindert die Einzelnen nicht daran, erfolgreiche Unternehmer zu werden und den Markt mit tollen Geschäftsideen zu bereichern. Ich glaube sogar, dass die Wirtschaft von solchen Menschen erheblich profitieren wird.

Gesellschaft im Wandel: Die nächste Generation

Unsere Gesellschaft entwickelt sich. Und wir haben es in der Hand, die nächste Generation zu formen. Deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich zu fragen:

Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben?

Und was müssen wir unseren Kindern vorleben und vermitteln, damit das erreicht wird?

Wir Eltern haben eine wahnsinnig wichtige Aufgabe.

Es sind nicht die Lehrer, nicht die Erzieher, nicht irgendjemand anders, der den Kindern Werte und Visionen hauptsächlich mit auf den Weg gibt:

Das sind wir, die Mütter und Väter.

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