Keep Calm in Zeiten der Coronakrise

Als Familie gelassen bleiben in der Coronakrise

Umso länger die Ausgangssperre anhält, umso mehr liegen die Nerven blank – viele Familien mit Kindern vermissen den sozialen Austausch, die Freizeitangebote oder einfach das Zusammensein mit anderen Familien.

Carolin Hüter-Böhm hat deshalb für mich einen Gastartikel geschrieben, in dem sie Ratschläge gibt, wie wir den Stress verringern und gelassen bleiben können:

Als Familie mit zwei Kindern waren mein Mann und ich nach den aktuellen Ereignissen sehr spontan gefordert, unseren Alltag umzuorganisieren und vollständig neu zu planen – so wie viele andere Familien auch.

Home-Office und Kinderbetreuung oder gar Home Schooling zu organisieren, sind große Herausforderungen für Eltern und auch für die Kinder, die schnell Stress verursachen können. Das romantisch verklärte Klischeebild von den berufstätigen Eltern, die in Ruhe am Laptop sitzen, während sich die Kinder friedlich selbst beschäftigen, ist für die meisten Haushalte eher realitätsfern.

Hinzu kommen noch die Sorgen über die Dauer und das tatsächliche Ausmaß der Krise, die ich in meinem Umfeld besonders bemerkt habe. Was passiert z. B., wenn die Kitas und Schulen noch länger geschlossen bleiben, die Firmen in Kurzarbeit gehen oder ein Elternteil sogar den Job verliert?

Nicht nur der Alltag wird gerade gehörig auf den Kopf gestellt, Corona durchkreuzt auch Urlaubspläne, anderweitige Planungen und die Verwirklichung von Lebensträumen. Stress, innerlich sowie äußerlich, ist vorprogrammiert.

Was kannst du tun, damit das Projekt Corona Homeoffice ein Erfolg wird und um ein Corona-Lockdown zu vermeiden?

Zwei Regeln für mehr Ruhe und Gelassenheit im Corona-Alltag

Auch in diesen Zeiten kann man es schaffen, Stress vorzubeugen oder zu verringern. Zuerst einmal solltest du dir eine positive Grundeinstellung erhalten. An dieser stressigen Situation wirst du mit deiner ganzen Familie wachsen.

Außerdem solltest du…

1) Die Situation annehmen

Widerstand ist zwecklos! Zuerst einmal solltest du die Situation so annehmen, wie sie ist, und eine positive Grundhaltung gegenüber der Situation beibehalten. Wir können die gegenwärtige Situation nicht verändern, aber uns bewusst machen, dass wir mit all den Veränderungen und Einschränkungen nicht alleine sind.

Für deinen Seelenfrieden ist es enorm wichtig, dass du akzeptieren kannst, was gerade vorgeht:

Dass du nicht so arbeiten kannst wie sonst, weil du und/oder dein Partner im Home-Office seid oder dass du beruflich besonders gefordert bist, weil du als Arzt, Pfleger oder Verkäufer arbeitest und an der Grundversorgung der Gesellschaft mitarbeitest. Beide Situationen sind mit starken Stressfaktoren verbunden.

Auch die Kinder sind überfordert von der neuen Situation – Die Freizeitaktivitäten sind extrem eingeschränkt, weil klassische Unternehmungen wie Spielplatz oder Freunde treffen einfach wegfallen. Auch die Stimmung und Situation zu Hause müssen auch die Kinder erst einmal verarbeiten.

2) Lass den Stress erst gar nicht entstehen.

Leichter gesagt als getan, denkst du? Das stimmt natürlich. Trotzdem gibt es ein paar Wege, auf denen du Stress effektiv vorbeugen kannst. Das ist zwar auch mit Arbeit an dir selbst verbunden – aber es lohnt sich und deine Familie wird es dir danken.

Bevor ich dazu komme, ein kleiner Exkurs zu der Frage:

Wie entsteht eigentlich Stress?

Erst einmal ist Stress nicht per se negativ. Ganz im Gegenteil – (positiver) Stress spornt uns an, zu wachsen und zu reifen. Stress ist nicht messbar und bei jeder Person je nach Situation unterschiedlich stark ausgeprägt.

Bei dem einen kann es bereits Stress auslösen, wenn das Kind  „Warum? Warum?“ fragt, und bei dem anderen sind vielleicht erst ein handfester Wutanfall oder die Mathe-Hausaufgaben direkter Auslöser für Stress.

Eines ist aber bei allen gleich: Stress entsteht beispielsweise dann, wenn Veränderungen eintreten, wir verunsichert sind, Angst oder Sorgen haben oder auch, wenn wir unter- oder überfordert sind.

Bemerkst du bei den Ursachen etwas? In Zeiten von Corona treffen mehrere davon gleichzeitig zu, und zwar nicht für uns Eltern, sondern auch für unsere Kinder. Wir alle hätten mehr als genug Grund, gestresst zu sein. Aber als Vorbild für unsere Kinder müssen wir auch hier Verantwortung übernehmen und vorleben, wie man mit Stress umgeht – und ihn vermeidet.

„Perfektionismus, du musst gehen!“ Wie man Stress vermeidet

Deshalb zurück zu dem Thema „Lass den Stress erst gar nicht entstehen“.

Was kannst du nun konkret tun, um Stress vorzubeugen und um in dem aktuellen Wahnsinn Gelassenheit und Ruhe zu finden?

Nimm den Druck raus.

Du kannst nicht alles sofort schaffen, und auch dein Partner und deine Kinder nicht. Und wen kümmert´s, wenn heute mal die Arbeitsblätter aus der Schule liegen bleiben und ihr euch einen schönen Familientag gönnt, so ganz ohne Schule und Druck?

Sag deinem Perfektionismus adé und setze Prioritäten!

Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kunden – die meisten Menschen haben in dieser besonderes Situation Verständnis dafür, wenn mal nicht alles so schnell oder so reibungslos verläuft. Deine Arbeit muss erledigt werden, na klar – aber mach dir Gedanken darüber, wo du dir selbst gegenüber nachsichtiger sein könntest und ob du wirklich alle Ergebnisse noch zweimal checken musst, bevor du sie deinem Chef vorlegst.

Und setze die richtigen Prioritäten: Was muss jetzt noch unbedingt erledigt werden, was kann warten?

Nachsicht, Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme sind hier – vor allem gegenüber den Kindern – das Zauberwort!

Change your Mindset…

…and think positive!

Eine kleine Übung: Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe all das Positive, das du in den letzten Tagen (allein oder mit deiner Familie) erlebt hast, auf. Vielleicht kannst du das Home-Office als positives Ereignis sehen, vielleicht empfindest du es auch als bereichernd, mit deinen Kindern gemeinsam zu lernen. Oder du genießt die gemeinsame Spiel-, Bastel- und Lesezeit mit deinen Kindern, für die sonst nicht so viel Raum ist.

Vielleicht bereitet es dir auch besonders große Freude, die alten Gesellschaftsspiele mal wieder herauszuholen und mit der ganzen Familie zu spielen. Dazu kannst du noch aufschreiben, welche Eigenschaften du an deinen Kindern besonders liebst oder welche Momente mit den Kindern (die gestrige Umarmung, das unerwartete „Ich hab dich lieb, Mama!“) du besonders schön fandest.

Diese Übung kann dir vor Augen führen, dass es zwar herausfordernd ist, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber du siehst, dass du dabei ganz viele wertvolle Zeit für deine Familie gewinnst, die ihr gemeinsam gestalten könnt. Dabei entstehen sicherlich noch viele tolle Momente, für die es sich lohnt, aufmerksam und bewusst zu bleiben.

Kümmere dich auch um dich selbst!

Selbstfürsorge ist hier das Stichwort. Gerade in sehr stressigen Zeiten ist es wichtig, gut für sich selbst zu sorgen und sich Atempausen zu verschaffen. Das trägt enorm zu deiner Gelassenheit und deiner inneren Ruhe bei und wirkt sich dadurch auch positiv auf deine Familie aus.

Selbstfürsorge hat sehr viel mit Achtsamkeit zu tun; denn wir sollten nicht nur achtsam gegenüber unserem Partner oder unseren Kindern sein, sondern auch uns selbst gegenüber.

Warum ist Achtsamkeit im Alltag wichtig?

Achtsamkeit tut dir gut, denn du glaubst dann nicht mehr alles, was du denkst und fühlst.

Achtsamkeit gibt dir Zeit zur Beobachtung, zur Wahrnehmung und sorgt dafür, dass du aus dem Gedankenkarussell aussteigst, anstatt in den gewohnten Verhaltensmustern zu leben.

Das hört sich sehr einfach an, ist jedoch in der Umsetzung oft gar nicht so leicht. Wir sind von so vielen Reizen umgeben und haben mit so vielen Dingen im Alltag zu tun, dass wir es schlichtweg vergessen, achtsam zu sein.

Deshalb ist es wichtig, im Rahmen der Selbstfürsorge vorauszuplanen. Selbstfürsorge ist essentiell wichtig für eine gute innere Balance und deine Beziehung zu deinen Mitmenschen. Kleine Rituale oder kurze Momente nur für dich und das, was du gerade brauchst, reichen dabei schon: Die Tasse Kaffee am Morgen, die du in einer ruhigen Minute genießt, ein Spaziergang, ein Telefonat mit einer Freundin.

Selbstfürsorge ist es auch, sich daran zu erinnern, dass wir nicht nur Mütter (oder Väter) sind, sondern die eigenen Ideen und Träume weiterzuverfolgen und sich mit anderen Müttern zu vernetzen und auszutauschen.

Deshalb: Sorgt gut für euch selbst und vermeidet Stress in dieser herausfordernden Zeit. Damit du und ihr als Familie stark bleibt!

Über die Autorin: Als Trainerin unterstützt Carolin Hüter-Böhm Unternehmen, Vereine und Organisationen sowie Privatpersonen in den Themenbereichen Stressbewältigung und Achtsamkeit. Seit 2019 bietet sie auch spezielle Workshops und (Online-) Kurse für beruftstätige Mütter und Mamas in Elternzeit an.  Und hilft in den Bereichen Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Stressbewältigung. Mehr über Carolin und ihr Angebot erfährst du unter www.carolinhueterboehm.de, über Xing/LinkedIN oder Facebook/Instagramm.

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